1. Herren

Liga: Hamburg-Liga

Blinden Aktionismus wird es nicht geben

Hamburg-Liga-Meister HT Norderstedt, hinten von links: Johann-David Starck, Tobias Bombe, Rick Walder, Malte Moritzen, Yannick Jensen, Tom Dippert, Matthias Matuch, Tim Gottschalk, Manager Sven Vörtmann, Trainer Florian Korte, Physio Michael Müller. Vorne von links: Co-Trainer Florian Deppe, Tom Minners, Emmanuel-Junior Kossi Djobokou, Julian Uwiss, Robin Noack, Felix Minners, Christopher Pöhls und Kapitän Michael Leon Williams junior. Foto: Thomas Maibom

Die Handballer des HT Norderstedt setzen bei der Zusammenstellung des Kaders für die Oberliga-Saison 2016/2017 auf Kontinuität und verstärken sich nur punktuell

ULRICH STÜCKLER

NORDERSTEDT :: Der Beifall von den mit 450 Fans besetzten Rängen der Halle 2 des Schulzentrums Süd ging der Männermannschaft des HT Norderstedt runter wie Öl. Nach dem 31:22-Sieg im letzten Heimspiel der Saison über den Niendorfer TSV ließen sich die Spieler von Trainer Florian Korte nebeneinander aufgereiht ausgiebig für den geschafften Aufstieg in die Handball-Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein feiern.
Die HTN-Cracks geizten ihrerseits nicht mit Applaus für ihren Anhang, der ihnen mit stetig anwachsender Kulisse zum Saisonende hin beste Handball-Atmosphäre beschert hatte. Ein nicht unwichtiger Faktor, um sämtliche elf Heimspiele siegreich zu beenden und damit den Grundstein für die Hamburger Meisterschaft zu legen.
Dabei hatte es lange, ja sehr lange gedauert, bis sich jemand aus dem Spielerkreis oder dessen direktem Umfeld öffentlich getraut hatte, das „M-Wort“ laut auszusprechen. Zurückhaltung war Trumpf – das wurde von Trainer Florian Korte auch immer wieder offensiv kommuniziert: „Wir blicken immer auf die nächste Aufgabe, das Spiel in zwei Wochen interessiert nicht.“

Erst seit März wurde beim HTN offen von Titel und Aufstieg gesprochen

Erst nach dem 28:18-Sieg am 20. März beim traditionell unbequem zu spielenden SC Alstertal-Langenhorn und nur noch drei ausstehenden Partien war Schluss mit der Contenance. „Wir ziehen das jetzt durch!“, hieß es selbstbewusst auf der Mannschaftsseite im sozialen Netzwerk Facebook. Von nun an gab es keine falsche Bescheidenheit mehr, das offizielle Ziel hieß fortan Oberliga.
„Genau genommen war ich mir schon ein Spiel zuvor, nach dem 33:25-Heimsieg über unseren Verfolger TV Fischbek, sicher, dass wir es schaffen“, sagte Florian Korte, 29, der gleich in seiner Premieren-Saison als Trainer einer Handball-Männermannschaft ein Ausrufezeichen gesetzt hat. „Dieser Erfolg hat uns den letzten kleinen Schub an Selbstbewusstsein gebracht, der noch fehlte, um auch gegen den SC Alstertal-Langenhorn bestehen zu können.“
Kurioserweise machten der Coach und seine Spieler gemeinsam zwei weitere Meilensteine auf dem Weg zum Erfolg aus, hinter denen Außenstehende wohl eher eine mögliche (Mini)-Krise vermutet hätten. „Dass wir unser Punktspiel Anfang Februar in Barmstedt mit 33:34 verloren haben und vorher auch schon im Achtelfinale gegen die HSG Pinnau aus dem Hamburger Pokal geflogen sind, das hat uns als Mannschaft weiter nach vorn gebracht“, sagte Tobias Bombe.
Der Linkshänder, der zu Saisonbeginn vom TuS Esingen nach Norderstedt kam und sich mit 59 Treffern bestens eingefügt hat, beschrieb den Effekt so: „Jeder hatte nach diesem Rückschlag und einer ganz kurzen Nervosität kapiert, dass er doch noch einen Schritt mehr tun muss, dass wir alle als Team noch härter arbeiten müssen. Jetzt hatte auch der Letzte verstanden, dass wir in jedem Spiel 100 Prozent geben müssen, wenn wir Erfolg haben wollen.“
Dabei hatte Florian Korte selbst zu diesem Zeitpunkt nichts an der Einstellung seiner jungen, zu großen Teilen neu formierten Truppe auszusetzen gehabt. „Die Trainingsbeteiligung war immer sehr gut. Genau genommen haben die Jungs schon in dieser Saison mit dreimal Mannschaftstraining und einer Athletikeinheit pro Woche das Pensum auf sich genommen, das in der kommenden Saison in der Oberliga das Minimum sein muss“, sagte er.

Das Ziel für die kommende Serie ist der Klassenerhalt

Das Ziel für die Serie 2016/2017 ist der Klassenerhalt. Um diesen zu erreichen, soll sich nicht ansatzweise so viel ändern wie in dieser Spielzeit. Der Kader des HTN wird voraussichtlich nur auf vier Positionen Änderungen erfahren. Einem blinden Verpflichtungs-Aktionismus erteilt Teammanager Sven Vörtmann eine Absage: „Wir haben ein homogenes Team beisammen, in dem alle Bock auf das Training miteinander und die Punktspiele haben. Das wollen wir nicht unnötig zerreißen.“
So stoßen nach aktuellem Stand neben Routinier Henning Scholz (30, früher Norderstedter SV, zuletzt SV Beckdorf) lediglich sein neuer Rückraumkollege Jakob Taulin (18, SV Fortuna Neubrandenburg), der 19 Jahre alte Rechtsaußen Thilo Lange (SV Henstedt-Ulzburg) sowie Lennard Danielsen, bislang Stammkeeper des designierten Oberliga-Meisters HSV Hamburg, zum Kader.
Das Quartett soll den Fortgang von Philip Wöhler (wechselt zum TV Fischbek), Yannick Jensen (für ein Jahr ins Ausland), Malte Moritzen (beginnt Ausbildung) sowie Rückraum-Shooter Johann-David Starck kompensieren.
Der drittligaerfahrene 33-Jährige, der von Coach Korte höchstpersönlich zum HT Norderstedt geholt worden war, arbeitet in Frankfurt und will an den Wochenenden künftig nicht mehr pendeln. Der Abschied fällt ihm zwar schwer. „Mir bleibt aber die schöne Erinnerung an viele gute Leute und ein starkes, ehrgeiziges Team.“

Erschienen im Hamburger Abendblatt, Regionalausgabe Norderstedt, am 13. April 2016

13. April 2016

Zurück zur Übersicht

Zum Seitenanfang springen